Fernwanderweg GR20 Korsika

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Meine zweite rohköstliche Wanderung sollte der GR20 durch Korsika sein. Er ist mit seinen Höhenmetern und Bergen alpingleich und gilt als der schwerste europäische Fernwanderweg. Insgesamt ist er auf 2 Wochen angelegt, dabei unterscheidet sich der nördliche Teil vom südlichen und lässt sich daher auch gut auf eine Woche reduzieren. Der Norden ist alpiner und anspruchsvoller als der Süden und genau den bin ich gegangen.

Gleich die erste Etappe geht 1000 Höhenmeter hinauf. Zu dem Zeitpunkt war ich noch sehr stolz über meine – dieses Mal etwas professionellere- Essensvorbereitungen, wieder einmal ein Baukastensystem aus sämtlichen Pülverchen mit den zwei bewährten Grundlagen der Lein- und Chiasamen. Ich nenne es auch gerne Astronautenessen, denn es ist relativ komprimiert, trocken, lässt sich einfach mit Wasser anrühren und quillt auf.IMG_2228 IMG_2229 IMG_2220

 

 

 

Gewappnet mit Essen für 2 Wochen, machte ich mich auf den Weg – denn es sollte die nächsten zwei Wochen kein veganes Essen mehr auf den Hütten geben, geschweige denn eine Einkaufsmöglichkeit.

Schon an der ersten Hütte passierte es aber – das Unglück! Mulis grasten an der Hütte, die als Lastentiere die Nahrungsmittel hochtrugen. Es sah malerisch aus -entpuppte sich aber schon bald als Desaster..

IMG_2287 In einer fünfminütigen Abwesenheit meines Gepäcks und dem Essen, machte sich tatsächlich ein Muli über mein Essen her und aß sich durch die Plastikbox – ich hatte tatsächlich kurz über diese Gefahr nachgedacht, war aber doch der Meinung, dass sie dies sicherlich nicht bemerken würden.

Als ich vom Zähneputzen wieder kam, lagen all meine kostbaren Pulver auf dem Boden und waren angefressen bzw. aufgefressen. Der Schock war groß!

Zum Dank wurde ich auch noch gegen das Knie getreten, bei dem Versuch wenigstens meine Isomatte vor weiteren Zerstörungen zu retten.

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Einige Mitwanderer bemühten sich dankenderweise alles an Nahrung zu retten, was zu retten ging. Ich bekam neue Tütchen und das berühmte Kastanienmehl von Korsika als Ersatz mit. Es schmeckte vorzüglich und ich konnte mich also für die nächste Woche mit den Essensresten über Wasser halten. Erst einmal hieß es allerdings Bein hochlegen, denn laufen konnte ich nach dem Tritt nicht mehr. Glücklicherweise konnte mich der Helikopter am nächsten Tag nicht abholen (!), so dass ich blieb und zwei Tage später wieder in der Lage war, meine Wanderung fortzusetzen.

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Nach einer  anstrengenden Woche entschied ich mich dann, in Anbetracht des mangelnden Essens, die Reise und damit den „langweiligen“ südlichen Part, nicht mehr weiter zu laufen.

Da auf dem GR20 in erster Linie draußen gecampt wird, anstatt in den Hütten (schnell ausgebucht und Bettwanzen Problematik), darf die Tiergewalt nicht unterschätzt werden. Nicht nur Pferde /Mulis sondern besonders Wildschweine machen sich gerne über Rucksäcke her und beißen sich zum Essen durch oder verschleppen den gesamten Rucksack, ich habe es bei anderen mitbekommen!!. Also Vorsicht vor Tieren auf dem GR20 :)!!

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Auch ist die Versorgung für Veganer nicht leicht und es bleibt im Grunde fast nichts anderes übrig, als das eigene Essen mitzunehmen. Die Gerichte auf den Hütten waren, soweit ich mich erinnern kann, alle mit Fleisch. Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht – außer die selbst gemachte Wurst, das Brot und den Käse auf den Almhütten (Und Kekse, etc. bei manchen Übernachtungen). Auch ich kam an einen Punkt, wo ich mich einmal über ein Stück Brot mit Käse freute und es mir gönnte- das kam wohl aus der erschöpfenden Anstrengung der Wanderung mit sich, denn zu Hause habe ich nie Gelüste auf Käse und bin strikte Veganerin :)… Ansonsten kam ich gut mit meinem Essen aus. Es ist, wie schon bei meiner Alpenwanderung so, dass die Vielfalt des eigenen Essens bald ausgeschöpft ist und es sich schnell wiederholt.. – was im Grunde aber auch bei allen anderen Wanderern der Fall ist, wenn man sich die eingeschweißten Instantgerichte anschaut..

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Da hatte ich doch in der Tat mehr Nährstoffe und auch eine unglaubliche Energie, so dass ich gestärkt die atemberaubende Landschaft Korsikas „von Innen“ entdecken konnte. Außerdem konnte ich mal wieder das Gewicht des Kochers und der Kartuschen sparen :)!!

Wer trittsicher, schwindelfrei und mit guter Kondition ist, kann durchaus über diese Wanderung nachdenken :). Sie ist ein Erlebnis für sich..

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Ich hatte mal wieder den Wanderführer von Outdoor, mit dem ich gut zu Recht kam. Sicherheitshalber kaufte ich mir für diese Reise noch ein GPS Gerät – von Garmin– was sicherlich nicht notwendig gewesen wäre, aber da ich alleine unterwegs war, wollte ich mir auch bei Nebelschwaden sicher sein, ans Ziel zu kommen. Im Endeffekt hat sich herausgestellt, dass bei den Höhenunterschieden die bestritten werden sollten – oft auch bei starken Winden- es immer nett war zu schauen, auf welcher Höhe ich mich schon befand, wie viel noch vor mir lag und wie weit es noch runter ging. Der Höhenmesser musste nie kalibriert werden und stimmte die ganze Zeit mit den Angaben überein..

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Es waren schon etwas mehr Leute auf dieser Strecke und es lohnte sich, zum Sonnenaufgang aufzustehen und aufzubrechen.. so hatte man wenigstens eine Weile etwas Ruhe. Dennoch ist es nicht überlaufen und immer wieder schön, Menschen erneut zu begegnen, abends in einer vertrauten Gruppe zu sitzen, die immer wieder die gleichen Hürden gehen.. Es findet also immer ein Zusammenschluss statt und ein stetiges Wiederbegegnen mit anderen, welches ich sehr genieße auf Fernwanderungen.

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Vielleicht bist du den GR 20 auch schon gelaufen oder willst ihn gehen?

Vielleicht hast du noch andere Tipps oder andere Wanderungen, die du empfehlen kannst. Ich freue mich von dir zu hören :)..

Herzliche Grüße,

Flora

 

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2 Kommentare

  1. Wow – das sieht nach einem richtigen Abenteuer aus! Da bekomme ich doch gleich Fernweh. 🙂

    Und ich muss gestehen: Ich habe beim Lesen deines Berichts mit dir mitgefiebert, als es darum ging, dass ein Maultier deine Nahrungsvorräte dezimiert hat – das muss eine Beinahe-Katastrophe gewesen sein!

    Ich finde es toll, dass du so ein schönes Hobby hast – ich selbst möchte auch einmal gerne eine Wandertour in genau so einer tolle Kulisse machen. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Jenni, jaaa..es fühlte sich wirklich schrecklich an..mitten in den Bergen ohne Essen;)!! Und trotzdem habe ich „überlebt“ 🙂 es klappt ja doch immer wieder und man kann sich gut in vertrauen üben.. Sag bescheid wenn du eine Wanderpartnerin suchst, ich kenne nicht so viele, die solche Reisen antreten und ich freue mich immer über Gleichgesinnte 🙂
      Liebe Grüße
      Flora

      Gefällt mir

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